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MARKUS ACHTELIK
In meinem Leistungskurs Physik wählte ich für meine Facharbeit
das Thema „Die Physik des Hubschrauberfluges“. Mein
Kursleiter war sehr angetan von meiner Arbeit, und ermutigte mich,
bei Jugend forscht Teilzunehmen. Trotz anfänglicher Zweifel
wagte ich es, und nahm in der Sparte technik am Regionalwettbewerb
München-Ost Teil.
In meiner Arbeit ging es darum, zunächst die technischen und
aerodynamischen Grundlagen des Hubschrauberfluges, insbesondere
in Bezug auf die recht komplizierte Steuerung, zu erarbeiten und
zu erklären.
Im Praktischen Teil der Arbeit sollte ein funktionstüchtiger
Modellhubschrauber mit möglichst wenig zugekauften Teilen konstruiert
und gebaut werden.
Einer der wichtigsten Punkte hierbei war die Chassiskonstruktion,
Antriebsauslegung und die Vermessung von einzelnen Motoren. Mit
den gewonnenen Erkenntnissen wurden im Laufe der Entwicklung drei
Hubschrauber gebaut, wobei mit dem ersten aufgrund seines Gewichtes
und fehlender Verwindungsteifigkeit nur ein Schwebeflug möglich
war. Daher diente dieser Hubschrauber im Wesentlichen zur Überprüfung
des Antriebskonzeptes.
Der zweite Hubschrauber wurde schließlich mit einem CAD-
Programm konstruiert und anschließend gebaut, wobei hier die
Erfahrungen, die mit dem ersten Hubschrauber gemacht wurden, mit
einflossen. Nach einigen überzeugenden Flügen stürzte
dieser leider bei einer Flugvorführung vor meinem LK Physik
aufgrund einer Störung der Fernsteueranlage ab.
Eigentlich sollte der zweite Hubschrauber repariert werden. Aufgrund
der Beschädigung und einiger konstruktiver Neuerungen entschloss
ich mich, einen dritten Hubschrauber zu Bauen, der auch wieder mittels
CAD komplett neu konstruiert wurde. Das Chassis konnte diesmal mit
einer Computergesteuerten Fräse aus Kohlefaserplatten hergestellt
werden.
Der Heckrotor, Tuningteile für den Hauptrotorkopf und viele
andere Kleinteile wurden in mühevoller Kleinarbeit mit einer
Drehbank hergestellt, wobei es hier auf Genauigkeiten von unter
0,1 mm ankam. Dieser Hubschrauber bereitete den meisten Aufwand,
das Ergebnis überzeugte jedoch optisch, sowie durch die Flugeigenschaften
und Laufruhe.
Der Hubschrauber überzeugte jedoch nicht nur mich, sondern
auch die Jury so sehr, dass ich den Regionalwettbewerb im Bereich
Technik gewann. Neben dem ersten Preis erhielt ich auch den Sonderpreis
„Jugend forscht öffnet Türen“ in Form eines
Forschungspraktikums, dass von E.ON Bayern gesponsort wird. E.ON
stellte schließlich den Kontakt zu Eurocopter in Donauwörth
her, was ja sehr gut zu meinem Thema passt.
Zuerst war die Rede von einem 2-3 tägigen Praktikum, bei dem
ich mir den Betrieb genauer anschauen kann. Bei dem nächsten
Telefonat mit Eurocopter stellte sich dann heraus, dass ich das
große Los gezogen hatte: Ich durfte an einem zweiwöchigen
sog. Typerating für den Hubschrauber EC 135 Teilnehmen! Das
Typerating ist, wie der Name schon sagt, eine Schulung für
Hubschrauberpiloten auf ein bestimmtes Muster. Die erste Woche der
Schulung bestand aus theoretischem Unterricht, der in englisch stattfand,
da auch ein Franzose teilnahm. In dieser Woche haben wir nahezu
die komplette Technik des Hubschraubers „durchgeackert“.
Es mangelte auch nicht an Anschauungsobjekten: Im Hangar der Flugschule
stand ein zur hälfte zerlegter und geöffneter Hubschrauber,
an dem man das soeben Gelernte bestens nachvollziehen konnte. Es
war sehr interessant, wie komplex so ein Hubschrauber ist, und das
doch sehr viele Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zu einem
Modellhubschrauber bestehen.
Das absolute Highlight kam dann in der zweiten Woche: Nachdem der
theoretische Unterricht und die Cockpiteinweisung abgeschlossen
war, durfte ich zweimal eine Stunde im Hubschrauber als Gast mitfliegen!
Mit Headsets „bewaffnet“ stiegen wir in den Hubschrauber
ein. Beim Anlassen der Turbinen wurde mir auch klar, warum man die
Headsets braucht: der ganze Hubschrauber vibrierte, und es herrschte
eine Lautstärke, dass an Kommunikation ohne die unterstützenden
Headsets nicht mehr zu denken war. Wahnsinn, dass die „Kiste“
das auf Dauer aushält. Um zu starten, schwebten wir in ca.
2m Höhe zur Startbahn, und nach erteilter Genehmigung war es
soweit: Der Hubschrauber beschleunigte, gewann sehr schnell an Höhe
und lag so ruhig in der Luft, dass man erst beim Abbremsen merkte,
dass wir mit gut 200 km/h unterwegs waren. Nun folgten einige Übungen,
wie z.B. der Flug mit nur einer Turbine oder eine Landung in einer
Waldschneise, bei der die Rotorblätter den Bäumen schon
sehr nahe kamen. Nach dem Start mit Vollgas aus der Schneise, baute
der Pilot erst einmal Höhe auf, um den Hubschrauber in einer
Wolke zu „parken“. Ohne Navigationsinstrumente wäre
man hier aufgeschmissen, da außer weiß ringsherum überhaupt
nichts zu sehen war. Auf dem Rückweg spielte der Fluglehrer
noch „schwerelos“: aus ca. 200 km/h drückte er
den Steuerknüppel schlagartig nach vorne, der Hubschrauber
ging in den Sturzflug und es stellte sich das Gefühl der Schwerelosigkeit
ein. Bei dem anschließenden Abfangmanöver bekam ich schließlich
die andere Seite der Schwerkraft zu spüren... eine Achterbahn
ist harmlos dagegen! Vergleichsweise unspektakulär verlief
dagegen die Landung. Anflug über eine Stromleitung, Höhe
abbauen, über der Landebahn Geschwindigkeit verringern und
in ca. 2m Höhe zum Stellplatz zurück schweben. Der zweite
Flug beinhaltete fast das gleiche Programm, war aber trotzdem auf’s
Neue spannend.
An den nächsten Tagen ging der Flugunterricht weiter, jedoch
durfte ich nicht mehr mitfliegen, da Notsituationen geschult wurden.
Daher hatte ich die Möglichkeit, mir die Fertigung und das
Gelände von Eurocopter genauer anzuschauen. U.a. sah ich die
Rotorblattproduktion des neuen Kampfhubschraubers „Tiger“
und die Fertigung des EC 135 und 145, die mir von einem der Entwickler
für den Autopiloten näher erläutert wurde. In einer
anderen Halle konnte ich mir alle Details, wie z.B. den Rotorkopf
von einigen Transporthubschraubern von der Bundeswehr genau anschauen
und bekam immer ausführliche Antworten auf meine Fragen.
Zum Schluss machte ich mit einem Mitarbeiter noch einen Rundgang
zu sämtlichen Restecontainern auf dem Gelände, und konnte
mich so mit Material für die nächsten Projekte versorgen...
Abschließend kann ich sagen, dass die Teilnahme bei Jugend
forscht und das Praktikum ein großes Erlebnis war, bei dem
ich sehr viel Erfahrung sammeln konnte. Alle, die mit dem Gedanken
spielen, bei Jugend forscht mitzumachen, kann ich nur dazu ermutigen.
Neben der dabei gesammelten Erfahrung konnte ich auch sehr viele
Kontakte knüpfen, die mir bei meinem Studium und meinem angestrebten
Beruf sicher sehr hilfreich sein werden.
Und last but not least: der Regionalwettbewerb und besonders der
Landeswettbewerb haben sehr viel Spaß gemacht!
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